Der folgende Artikel soll einen groben Überblick über die Aktivitäten der Siegener Neonazis in den vergangenen Wochen und Monate verschaffen. Die Berichterstattung konzentriert sich hierbei nicht nur auf Aktionen der FNSI im Kreis Siegen Wittgenstein, sondern wird auch auf die enge Zusammenarbeit der Siegener und Wetzlarer Naziszene eingehen. Den Aktivisten der FNSI ist es nach dem 16.12.09 nicht gelungen, durch größere eigene Aktionen in der Region öffentliche Aufmerksamkeit zu erlangen. Stattdessen ließ sich eine rege Beteiligung an Demonstrationen und Aktionen außerhalb des Siegerlandes feststellen. Lediglich am Abend des 1.Februars versammelte sich eine Kleingruppe in Kaan Marienborn um in gewohnt geschichtsrevisionistischer Manier am Gefallenendenkmal dem zweiten großen Bombenangriff auf Siegen am 1.2.1945 zu „gedenken“.
Noch in der gleichen Woche nahmen die FNSI an einer Nazi-Demonstration mit dem Motto „Todesstrafe für Kinderschändern“ in Marl teil. Am darauffolgenden Wochenende reisten die Siegener Neonazis nach Dresden um sich an dem europaweiten Nazi-Aufmarsch anläßlich der Bombadierung Dresdens 1945 zu beteiligen. Dank tausender Gegendemonstranten verwandelte sich dieser Aufenthalt jedoch in eine Enttäuschung für die Siegener und tausende weitere angereiste Neonazis, da der Aufmarsch untersagt wurde und die Nazis den Bahnhofsvorplatz nicht wie geplant in Form einer Demonstration verlassen durften.
Weitere Aktivitäten der FNSI fanden hauptsächlich im Raum Gießen / Wetzlar statt. Dass es eine scheinbar gut funktionierende Vernetzung und Zusammenarbeit zwischen Nazis aus Siegen und Wetzlar gibt, deutete sich bereits im vergangenen Jahr an. So versuchten am 24.10 Mitglieder der FNSI gemeinsam mit Wetzlarer Nazis ein, von der Grünen Jugend organisiertes, „Rock gegen Rechts“-Konzert in Wetzlar zu stören. Daran konnten sie lediglich durch die Anwesenheit eines größeren Polizeiaufgebotes gehindert werden. Bereits in der vorangegangenen Nacht war auf das Veranstaltungsgebäude ein Farbanschlag verübt worden. Nur fünf Tage später kam es in Wetzlar erneut zur versuchten Störung einer Infoveranstaltung „Bunt statt braun“ und einem anschließenden Farbanschlag auf den Veranstaltungsort. Am 13.11 veranstalteten die sog. AN Wetzlar eine Demonstration für „den nationalen Sozialismus“ und wurden organisatorisch wie personell stark von den Siegener Nazis unterstützten. Hierbei kam es zu mehreren Festnahmen.
Dass die Zusammenarbeit der Siegener und Wetzlarer Naziszene jedoch nicht einseitig ist zeigt sich unter anderem anhand des Mobilisierungsvideos der FNSI, für deren Demonstration am 16.12.09, in dem unter anderem Danny Wolff (Auf dem Foto), Mitglied und Mitbegründer der sog. Autonomen Nationalisten (AN) Wetzlar, auftritt.
Auch rechtsextreme Demonstrationen wurden von Siegener und Wetzlarer Nazis gemeinsam angereist und besucht.
In den Tagen und Wochen um Weihnachtszeit kam es in Wetzlar immer wieder zu Farbanschlägen, Schmierereien und sonstigen Sachbeschädigungen, woran ebenfalls Mitglieder der FNSI beteiligt waren.
(Foto: Wetzlarer Bahnhofsunterführung)

Auch weniger aktionistische Veranstaltungen und Vorträge wurden gemeinsam von Siegener und Wetzlarer Nazis organisiert und besucht.
Die Serie von Anschlägen, versuchten Störungen und Übergriffen durch Nazis im Raum Wetzlar fand kürzlich ihren Höhepunkt im Brandanschlag auf die Privatwohnung einer Person, die im Wetzlarer Bündnis gegen Nazis aktiv ist.
Nichtsdestotrotz kam es auch in Siegen in den vergangenen Wochen immer wieder zu Provokationen und Übergriffen durch Nazis insbesondere im Stadtteil Weidenau. Wir appelieren sowohl an betroffene Personen als auch an Zeugen/Zeuginnen, jeden Vorfall und jede neonazistische Aktivität öffentlich zu machen!
In der Nacht auf Freitag den 5.3 verübten bisher Unbekannte einen Brandanschlag auf das Privathaus eines Mitglieds des Wetzlarer Bündnisses gegen Nazis.
Dieser Mordversuch ist der Höhepunkt einer Serie von Anschlägen, Übergriffen und Einschüchterungsversuchen Wetzlarer Neonazis, an denen in den vergangenen Wochen und Monaten auch immer wieder Aktivisten der „Freien Nationalisten Siegerland“ beteiligt waren.
Als Reaktion auf den Anschlag fand am Folgeabend eine antifaschistische Spontandemonstration in der Wetzlarer Innen- und Altstadt statt. (Mehr Infos)
Am 20. Januar 2010 scheiterte Sascha Hoppius, Kandidat der NPD für die Kommunalwahlen 2009 und Aktivist der „Freien Nationalisten Siegerland“, mit dem Versuch, in Berufung zu gehen.
Hoppius war im September 2009 wegen gefährlicher Körperverletzung mit einem Werkzeug zu einer Freiheitsstrafe von 8 Monaten auf 2 Jahre Bewährung und einer Zahlung von 1000 € in 50€-Raten an die Kriminalitätsopferhilfe „Weißer Ring“ verurteilt worden (Link zum vollständigen Artikel). Der 27-jährige Schlosser hatte im Mai im Zuge einer, von ihm und drei seiner Kameraden provozierten, Auseinandersetzung mit einer Gruppe junger Männer, einem der Beteiligten hinterrücks mit einer Bierflasche auf den Kopf geschlagen.
Im Gegensatz zur ersten Verhandlung, in der Hoppius sich selbst verteidigte, erschien er zur Berufung mit Anwalt. Trotz allem hielt das Gericht an der Entscheidung aus erster Instanz fest.
In der Nacht vom 19. auf den 20.12.09 haben erneut Nazis die Privatwohnung eines stadtbekannten Mitglieds und Sprechers der VVN-BdA Siegerland-Wittgenstein angegriffen. Nachdem bei dem letzten Angriff auf das Haus in der Nacht auf den 01.11.09 ein schwerer Stein durch ein Fenster in die Wohnung flog, wurde nun die Fassade mit Farbbomben und Eiern beschmissen.
Am Mittwoch, den 16.12.09 haben die „Freien Nationalisten Siegerland“ wie schon bereits am 16.12.08 anlässlich des Jahrestags der Bombardierung Siegens im 2. Weltkrieg durch die Alliierten einen „Gedenkmarsch“ durch Siegen durchgeführt. Zu diesem Anlass erschienen rund 120 Nazis in Siegen.
Die polizeiliche Anmeldung der Demonstration erfolgte durch den FNSI-Aktivisten und NPD-Ratsherren Sascha Maurer. Nachdem eine Klage gegen die Beschränkung der Route durch die Polizei vom Verwaltungsgericht abgewiesen wurde, waren die Nazis bei der gleichen Route wie im letzten Jahr angekommen. Vom Stadtbad am Löhrtor aus gingen sie, dieses Mal mit einem genehmigten Fackelzug (!), bis zur Ecke Oranienstraße und wendeten dort nach einer Zwischenkundgebung.
Bereits einige Stunden bevor die Demonstration begann versammelten sich einige AktivistInnen der FNSI auf dem Fischbacher Berg und verteilten dort Flyer. Sie zogen dann am Scheiner-Platz, dem späteren Kundgebungsort der VVN-BdA Siegen, vorbei, sprachen ein dort bereits mit dem Bühnenaufbau beschäftigtes Mitglied auf das einige Wochen zuvor von Nazis zerstörte Fenster an dessen Privatwohnung an und begaben sich dann an das Kölner Tor, um dort Flyer auf dem Gedenkzug des Siegener Bündnis für Demokratie zu verteilen.
Gezielte Sachbeschädigungen durch Nazis an prädestinierten Gebäuden häufen sich. Nach den 3 Farbbeutel-Anschlägen auf das VEB-Gebäude und den Schmierereien am aktiven Museum am Platz der alten Synagoge, wurde die Fassade des Radio Siegen ebenfalls verunstaltet. Samstag Nacht wurde ein Fenster des Büros der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit durch die Außen-Jalousie hindurch zerschlagen. Bereits 2 Monate vorher wurden dort mehrere Scheiben zerstört. In der Nacht vom 27. auf den 28. November wurde die Fassade des VEB mit der Parole „Antideutsche angreifen!“ verunstaltet.
Vermutlich in der Nacht vom 15.11.09 auf den 16.11.09 wurde das Aktive Museum Südwestfalen von Nazis beschmiert. Das AMS befindet sich auf dem Platz der 1938 im Zuge der „Reichskristallnacht“ von den Nazis niedergebrannten Synagoge und beschäftigt sich sowohl mit der Geschichte des Judentums in der Region als auch mit dem Schicksal weiterer Opfergruppen des Nationalsozialismus. Nachdem mehrere FNSI Aktivisten dort bereits letzte Woche eine Gedenkveranstaltung störten und Teilnehmer abfotografierten, war der Eingangsbereich nun mit 2 Stencils der „Intifada Media“-Seite (dem FNSI Medienprojekt) beschmiert. Neben der Hausnummer und über dem Briefkasten prangten die Parolen „NS REVOLUTION“ und „GEGEN DAS SYSTEM UND SEINE LÜGEN“.
Anlässlich der Zerstörung der Siegener Synagoge vom 10.11.1938 im Zuge der „Reichskritallnacht“, wurde auch dieses Jahr wieder am 10.11.09 eine Gedenkstunde am Platz der Synagoge für die Opfer des eliminatorischen Antisemitismus der NS-Zeit abgehalten.
Wie in keinem anderen Jahr allerdings, mischten sich während der Gedenkveranstaltung mehrere Nazis, darunter Aktivisten der FNSI unter die durch zahlreiche Regenschirme unübersichtlich gewordene Trauergemeinde. Als der FNSI Aktivist und Vertreter der NPD im Stadtrat Sascha Maurer am Schluss der Veranstaltung in Mitten der Menge stand und beim Abfotografieren von BesucherInnen der Veranstaltung erkannt wurde, rückten zwei anwesende Polizeibeamte an und begleiteten den Nazi in Schleichschritt aus der Veranstaltung zum Gedenken der NS-Opfer heraus und führten ihn an die etwa 30 Meter entfernte Bushaltestelle auf der selben Straße. Personalien wurden augenscheinlich nicht aufgenommen, eine körperliche Durchsuchung fand nicht statt, ein weiträumiger Platzverweis blieb aus und die Polizeibeamten entfernten sich nach einer kurzen Unterhaltung wieder von Maurer. Dieser verweilte selbstverständlich zunächst an Ort und Stelle und verfolgte anschließend eine Gruppe von TeilnehmerInnen der Veranstaltung über mehrere Umwege in ein Café. Über eine Stunde verweilte der junge Nazi vor dem Café und versuchte dabei mehrfach in das Lokal hinein zu fotografieren. Als die BesucherInnen schließlich das Café verlassen hatten, stand Maurer, mittlerweile mit Unterstützung von seinen Kameraden Steffen Spork und Bruder Kevin Maurer, immernoch vor dem Lokal und verfolgte die Gruppe auf ihrem weiteren Weg. Weitere Kleingruppen der Nazis bewegten sich ebenfalls durch die Oberstadt. Als die Gruppe dann zunächst ein anderes Lokal besuchte und dort weitere Verfolgte antraf, wurde erneut die Polizei verständigt um die sichere Heimkehr der BesucherInnen zu garantieren. Diese traf jedoch äußerst verspätet ein, traf die Nazis nicht mehr unmittelbar vor der Tür des Lokals an und zeigte sich daraufhin äußerst entnervt und verständnislos. Anlässlich der Schamlosigkeit der Nazis, bei einer solchen Gedenkveranstaltung aufzuschlagen und angesichts der offensichtlichen Verkennung der Ernsthaftigkeit der Lage seitens der Polizei erreichten uns mehrere Nachrichten. Zugleich veröffentlichten die FNSI einen Artikel auf ihrer Homepage, in dem sie den 9. November als einen „aufgrund seiner ,negativ‘ belegten Ereignisse durch die Nationalsozialisten“ „Nationalfeiertag“. Besondere Beachtung sei an dieser Stelle dem durch Anführungszeichen hinterfragten Wort „,negativ‘“ zu schenken.
Eine ZDF- „Mona Lisa“– Kurzdokumentation über einen aktuellen Fall aus dem Großraum Freiburg stellt die Brisanz neonazistischer Gefahr und die Notwendigkeit einer verantwortungsvollen Recherche-Arbeit anschaulich dar.
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In der Nacht vom 6. auf den 7.11.09 verübten die Nazis erneut einen Farbanschlag auf das VEB. Bei diesem 3. Farbanschlag innerhalb von 3 Wochen wurde die Seitenfassade mit 8 Weihnachtsbaumkugeln, gefüllt mit grauer Farbe, beworfen.