Drohungen bei Facebook, Schmierereien an der Uni & Pläne zur Wiederbelebung der „NPD Siegen“

Nach dem Übergriff am 24. Mai in der Siegener Oberstadt, bei dem mehrere Personen verletzt wurden, darunter ein Student schwer, feierten Neonazis die Aktion öffentlich bei Facebook und drohten damit, eine am 27. Mai im VEB Siegen stattfindende Veranstaltung anzugreifen. Unter den VerfasserInnen dieser Kommentare taten sich besonders ein „Julian Be“ sowie „Ralf Kron“, der laut seinem Facebookprofil in Siegen wohnt und „Michaela Alt“ aus Kinzenbach bei Gießen hervor.

Zu Vorfällen kam es am Abend des 27. Mai jedoch nicht, u.a. wohl deshalb, weil Polizei und Staatschutz informiert wurden.

Heute entdeckt wurden Schmierereien am Adolf-Reichwein-Campus der Uni Siegen, u.a. die Parolen „VOLKSTOD! STOPPEN“, „MULTI-KULTI IST VÖLKERMORD!“, sowie der Schriftzug „FNSI!“. Die Schmierereien ähneln denen, die in den letzten Monaten immer wieder in Siegen und Umgebung u.a. auf Wänden, Wahlplakaten und Werbetafeln auftauchten.

Wie NRW rechtsaußen berichtet, kündigte derweil der NRW-Landesvorsitzende der NPD, Claus Cremer an, den „NPD-Kreisverband Siegen“ unter Führung eines neuen Kreisvorstandes zu reaktivieren.

Zweites „Live H8″-Konzert abgesagt – Neonazis treffen sich in Siegen

Im vergangenen Oktober nahmen rund 1000 Besucher am Neonazi-Konzert „Live H8“ im mittelfränkischen Scheinfeld teil. Organisiert wurde das Event vom bayrischen NPD-Funktionär und Betreiber des Onlineradios fsn.tv Patrick Schröder. Für den vergangenen Samstag war eine Wiederholung in einer Scheinfelder Disco angekündigt, u.a. mit den Bands „Nahkampf“, „Sturmwehr“, „Terrorsphära“, „Terroritorium“ und „Words of Anger“. Auch die Band „Kategorie C“ sollte anreisen.

Die geplante Veranstaltung wurde am Samstag morgen jedoch gerichtlich untersagt. Daraufhin riet der Veranstalter den Besuchern von einer Anreise ab.

Auch in Siegen trafen sich bereits Samstag früh zahlreiche Neonazis aus der näheren und weiteren Umgebung an der Siegerlandhalle, um gemeinsam nach Bayern zu reisen. Nach der Absage des Konzerts zogen ca. 15 von ihnen zunächst von der Siegerlandhalle in die Siegener Innenstadt und kehrten am Abend schließlich in einer Kneipe in der Löhrstraße ein. Im weiteren Verlauf des Abends folgte eine Auseinandersetzung mit einer Gruppe junger Leute. Eine Person wurde dabei von den Neonazis schwer am Kopf verletzt und befindet sich nach einer Operation noch immer im Krankenhaus.

Die Siegener Polizei scheint in den letzten Jahren wenig dazu gelernt zu haben. Warum sonst konnte eine Gruppe Neonazis wieder stundenlang unbehelligt von der Polizei durch die Stadt ziehen, obwohl die Reisegruppe frühzeitig hätte auffallen müssen.
Nicht nur, dass der Treffpunkt an der Siegerlandhalle am Morgen durch die Polizei nicht beachtet wurde, auch die Absage des Konzerts in Bayern scheint nicht zu der Siegener Behörde durchgedrungen zu sein.
Entweder war diese tatsächlich dermaßen ahnungslos oder sie zog aus der Situation nicht die naheliegende Konsequenz eine erhöhte Wachsamkeit und Präsenz zu zeigen. Anlass dazu hätte zu alledem auch die potenzielle Bedrohung sein müssen, die die Neonazis für den am gleichen Tag in der Siegener Innenstadt stattfindenden „Israeltag“ der Initiative „Never Again“ darstellten. Der „Israeltag“ wurde in der Vergangenheit bereits Ziel massiver Attacken durch Neonazis.

9. November 2013: Holocaustleugnung und Friedhofsschändung in Siegen und Bad Berleburg

In der Nacht vom 8. auf den 9. November, dem 75. Jahrestag der Novemberprogrome, in deren Verlauf hunderte Juden ermordet, zehntausende in Konzentrationslager transportiert und Synagogen, jüdische Geschäfte, Wohnungen und Friedhöfe zerstört wurden, beschmierten bislang Unbekannte ein Denkmal auf dem jüdischen Friedhof in Bad Berleburg. Dort und auf dem Gelände des Hermelsbacher Friedhofs in Siegen, auf dem sich ebenfalls ein jüdisches Gräberfeld befindet, befestigten sie außerdem Transparente mit der Aufschrift „Die ewige Lüge lebt weiter“.

Angesichts dieser Tat hat nun auch die Kreispolizeibehörde laut ihrer Pressemitteilung vom 09.11.13 bemerkt, dass sich in der Region „Anhaltspunkte für eine organisierte rechte Szene ergeben könnten“.

Kurzmeldung: Überfall durch Neonazis auf Personen in Freudenberg

Zwei Personen, darunter der Fraktionsvorsitzende von „Die Linke“ im Siegener Stadtrat, sind am Sonntag Nachmittag vor dem von Neonazis angemieteten Hauses in der Asdorfer Straße von eben diesen angegriffen und verletzt worden. Weitere Informationen folgen.


Die Westfälische Rundschau berichtete in der heutigen Ausgabe über den Vorfall.

Neonazitreff in Freudenberg – Mietvertrag gekündigt

Wie die WDR Lokalzeit Südwestfalen am 10.10.13 berichtete, wurde der Mietvertrag des Hauses in Freudenberg inzwischen vom Vermieter gekündigt. Hatte dieser bislang verlauten lassen, dass eine Kündigung aus mietrechtlichen Gründen nicht möglich sei, hat er nun auf Nachfrage des WDR mitgeteilt, das Mietverhältnis gekündigt zu haben.

Das Gebäude an der Asbacher Straße in Freudenberg

Neonazis mieten Haus in Freudenberg an

Es ist bekannt, dass die regionale Neonazis-Szene bereits seit Jahren Kontakte über die Grenzen NRWs hinaus pflegt, so z.B. in den Westerwald und in den Lahn-Dill-Kreis. Nun geben aktuelle Entwicklungen in Freudenberg Anlass zur Beunruhigung:
Seit Sommer 2013 haben Neonazis eine Immobilie an der Asdorfer Straße in Freudenberg angemietet. Vermieter ist Ralf Klichta, Inhaber der Recycling-Firma Klichta. Dieser behauptet, er sei sich nicht darüber im Klaren gewesen, um wen es sich bei seinen neuen Mietern handelt. Und obwohl sich das Objekt an der Asdorfer Straße ganz offensichtlich zum Treffpunkt der Neonaziszene aus dem Dreiländereck entwickelt hat, sieht Klichta bislang scheinbar keine Notwendigkeit gegen seine neuen Mieter vorzugehen.
Schon im Juli fiel Anwohnern und Nachbarn auf, dass es sich bei den Mietern und Besuchern des Gebäudes um Personen aus der rechten Szene handelt. Anwohner berichten von Konzerten und größeren Party mit Gästen aus den Kreisen Westerwald, Altenkirchen, Olpe und Siegen-Wittgenstein, die u.a. mit „Sieg Heil“-Rufen einher gingen. Es wurden Personen mit T-Shirts von Neonazi-Gruppierungen aus dem Westerwald gesichtet. Auch Waffen sollen in der Umgebung des Gebäudes gefunden worden sein.
Zwischenzeitig berichtete auch Radio Siegen über das Treiben in Freudenberg.

Neonazi-Treffpunkt in Freudenberg
Das von Neonazis angemietete Objekt in Freudenberg

Am kommenden Samstag 12.10. soll nun ein ganzer Reisebus voller Neonazis von Freudenberg aus zu einem Konzert mit dem Titel „Live H8“ in einen noch geheimgehaltenen Ort in „Mitteldeutschland“ starten. Organisiert wird die Busreise von Lucas G., der sich bei Facebook nach dem Kommandeur der Leibstarte Hitlers und Gruppenführer der Waffen-SS „Joseph Dietrich“ nennt. Lucas G., der ursprünglich aus Oberahr im Westerwald kommt, war zwischenzeitig wie viele andere Personen aus dem Umfeld der „Kameradschaft Westerwald“ nach Ansbach/Bayern verzogen.


Zu diesem Konzert soll am Samstag ein Reisebus aus Freudenberg fahren


Nachricht von Lucas G. in einer Facebook-Gruppe

Lucas G. ist auch bestens bekannt mit Timo Purper, der 2004 an einem brutalen Überfall auf Konzertbesucher in Daaden beteiligt war. Er wurde im Rahmen der Prozesse gegen die Mitglieder der „Kameradschaft Westerwald“ zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Am 05.09.12 wurden sowohl die Wohnung von Lucas G. als auch die von Purper im Rahmen der Ermittlungen gegen die NS-Black Metal – Band „KJL – Kaltes Judenleder“ durchsucht.

Purper und G. stehen in engem Kontakt zu den „Freien Nationalisten Westerwald“ und den „Vereinten Skinheads Westerwald“. Beiden Gruppierungen sind (ehemalige) Mitglieder und Personen aus dem Umfeld der „Kameradschaft Westerwald“, dem „Aktionsbüro Mittelrhein“ und der NPD Westerwald zuzuordnen. Die „Vereinten Skinheads Westerwald“ organisierten 2012 im Westerwald eine „Skinhead-Party“ für „White Kids“.

In Freudenberg fühlen sich Neonazis aber nicht erst seit diesem Sommer wohl. Stephan Flug, ehemaliger Vorsitzender der NPD Siegen ist dort bereits seit längerem wohnhaft und auch Michael Schulz wohnte 2012 zum Zeitpunkt seiner Festnahme im Rahmen der Ermittlungen gegen das „Aktionsbüro Mittelrhein“ in Freudenberg. Und auch Sebastian Diehl, ehemaliger „Medienexperte“ der FNSI, hat es inzwischen nach Freudenberg gezogen. Nachdem er sein Studium an der Universität Siegen aufgegeben hat, hat er vor einigen Monaten eine Ausbildung in Freudenberg begonnen.

André Kauff zu Geldstrafe verurteilt

Am 23.09.13 wurde André Kauff wegen seiner Beteiligung an dem Überfall auf den Stand der Israel-Initiative „Never Again“ im vergangenen Jahr zu einer Geldstrafe von 2000 Euro verurteilt. Sein Verteidiger Björn Clemens forderte mehrmals, dass die politischen Ansichten Kauffs im Prozess keine Rolle spielen dürfe. In diesem Punkt erhielten er und sein Mandant dann auch Recht: Die politische Motivation für den Überfall spielte bei der Urteilsfindung keine Rolle.

„Reiner Unfug“ – Prozess wegen Überfall auf den Stand der Pro-Israel-Initiative Never Again

Am 12. Mai 2012 wurde der Stand der Pro-Israel-Initiative Never Again von vier schwarz gekleideten und vermummten Personen überfallen. Dabei wurden mindestens zwei Personen verletzt und Tische und anderes Material beschädigt.

Für den Überfall mussten sich nun am 5. September Kai André Schulz, André Kauff und Ole A. vor dem Amtsgericht in Siegen verantworten. Ihnen wurden Körperverletzung und Sachbeschädigung vorgeworfen.

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Schulz und Kauff 2012 auf einer Demonstration in Stolberg

Im Laufe der Verhandlung wurde der Tatvorwurf der Körperverletzung dann jedoch fallen gelassen. Die Begründung: Es könne nicht ermittelt werden, welcher der Angreifer die Mitarbeiter der Pro-Israel-Initiative verletzt hat.
Zudem behauptete Ole A. entgegen früherer Aussagen, er und Kauff hätten alleine – ohne eine Beteiligung von Schulz – gehandelt. Die Idee zu dem Überfall sei ihnen spontan während eines Aufenthaltes in der City-Galerie in den Sinn gekommen.

Obwohl die Aussagen von Augenzeugen kurz nach dem Überfall, denen zufolge vier Täter beteiligt waren und diese alle schwarz gekleidet und vermummt waren, Zweifel an einer ungeplanten Aktion allein durch Kauff und A. aufkommen lassen, fand dies in den Urteilen scheinbar keine Berücksichtigung:
Ole A., der sich bereits seit Juni 2012 in einem Aussteigerprogramm befinden soll, wurde wegen Sachbeschädigung zu einer Geldstrafe in Höhe von 1500 Euro verurteilt. Das Gericht legte ihm bei der Urteilsfindung seinen „Ausstieg“ positiv aus.
Die Anklage gegen Schulz wurde gar ganz fallen gelassen. Begründung hierfür war die Aussage von A., dass Schulz nicht am Überfall beteiligt gewesen sei. Zudem wurde Schulz in jüngster Vergangenheit bereits wegen anderer Delikte verurteilt, u.a. im August diesen Jahres vom Amtsgericht Dillenburg zu einem halben Jahr Haftstrafe wegen Körperverletzung. Laut dem Amtsgericht Siegen sei es bei einer zusätzlichen Verurteilung im aktuellen Fall in der Summe aller Strafen lediglich zu einer geringen Straferhöhung gekommen.
Gegen André Kauff beantragte die Staatsanwaltschaft eine Strafe in Höhe von 3200 Euro. Anders als A. bemühte er sich keineswegs um eine Distanzierung von von der Neonazi-Szene. Er habe seine Einstellung, ließ er im Prozess verlauten. Seine Teilnahme an diversen Kundgebungen und Demonstrationen in jüngster Vergangenheit lässt daran ohnehin keinen Zweifel.
Vertreten wurde Kauff während dem Prozess von Rechtsanwalt Björn Clemens, ehemaliger Funktionär der Republikaner und u.a. bei der Jungen Landsmannschaft Ostdeutschland aktiv.
Im Verfahren bekundete Clemens Zweifel daran, ob überhaupt eine Sachbeschädigung nachzuweisen wäre. Seiner Ansicht nach handelte es sich bei dem Überfall, bei dem mehrere Personen verletzt wurden, lediglich um „Unfug“, womit er die Relevanz der politischen Motivation bei dem Überfall in Frage stellte. Die Strafe für seinen Mandanten müsse wesentlich niedriger angesetzt werden, da man ihm seine „Gesinnung“ nicht negativ auslegen dürfe.

Die Verhandlung gegen Kauff wurde schließlich auf den 23. September um 9 Uhr vertagt.

Übergriff durch Neonazis in der Siegener Innenstadt

In der Nacht vom 24. auf den 25. August kam es im Bereich Bahnhofstraße/Scheinerplatz zu einem gewalttätigen Übergriff auf mehrere zufällig vorbeikommende Personen durch eine Gruppe von sechs bis sieben Neonazis. Unter den Angreifern befanden sich laut Augenzeugenberichten auch Kevin Maurer und Michael Schulz, der aktuell in dem seit letztem Jahr andauernden Prozess gegen das Aktionsbüro Mittelrhein vor Gericht steht.

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Michael Schulz während dem Prozess gegen das AB Mittelrhein vor dem Landgericht Koblenz

Gäste des Musikclubs „Meyer“, die sich auf dem Heimweg befanden, bemerkten zunächst auf Höhe des Sparkassengebäudes eine vermeindliche Schlägerei. Als sie sich näherten um einzuschreiten, stellten sie fest, dass die Schläger Kleidungsstücke mit eindeutigen Aufdrucken wie „Combat 18“ trugen. Im weiteren Verlauf wurden die Passanten beschimpft (u.a. als „Scheiß-Zecken“), getreten und geschlagen, ehe es ihnen schließlich gelang zu flüchten. Auch zwei weitere zufällig vorbei kommende Personen, die das Geschehen beobachteten und den Angegriffenen zur Hilfe kommen wollten, wurden beschimpft und heftig weg gestoßen.
Ob die später eintreffende Polizei die Täter noch antraf, ist nicht bekannt.

Razzia bei Kunden von NS-Black Metal-Versand in Freudenberg

Am vergangenen Dienstag (20.08.) wurde unter Leitung des Landeskriminalamts Hessen die Wohnung des Betreibers eines Online-Versands in Gießen durchsucht. Dem 29-jährigen wird vorgeworfen Tonträger und andere Produkte mit gewaltverherrlichenden und volksverhetzenden Inhalten vertrieben zu haben, die dem Genre „National Socialist Black Metal“ zuzuordnen sind. Ob es sich dabei um den in Gießen ansässigen Internetversand „Supremacy Through Intolerance“ ist unklar.
Im Rahmen der Ermittlungen wurden am gleichen Tag auch die Wohnungen von Kunden des Versands in Leipzig, Schwerin und Freudenberg durchsucht.
Insgesamt wurden rund 2000 Produkte sichergestellt, die nun auf ihre Inhalte geprüft werden.

Über die Razzien berichteten zahlreiche regionale Medien, darunter auch die Westfälische Rundschau vom 23.08.13.

Nachtrag

Der heutigen Ausgabe der WDR Lokalzeit Südwestfalen ist zu entnehmen, dass der Beitrag von Sascha Maurer aus der Festschrift zum Jubiläum des Siegerland-Kollegs entfernt wird. Dies geschieht, so der WDR, u.a. auf Druck von Landrat Paul Breuer und der Bezirksregierung Arnsberg.

50 Jahre Siegerland-Kolleg – Neonazi steuert Text zu Festschrift bei

Die Festschrift zum 50-jährigen Jubiläum des Siegerland Kollegs, das am 12. Juli feierlich begangen wird, enthält neben Grußworten von Gerhard Schröder (Bundeskanzler a.D.), Gerd Bollermann (Regierungspräsident der Bezirksregierung Arnsberg), Paul Breuer (Landrat des Kreis Siegen-Wittgenstein), Steffen Mues (Bürgermeister der Stadt Siegen) und Franz-Josef Klein (Prorektor der Universität Siegen) auch einen Beitrag des Siegener Neonazi Sascha Maurer.

Maurer Siegerland-Kolleg
Inhaltsverzeichnis der Festschrift anlässlich Jubiläums des Siegerland-Kollegs

Sascha Maurer, der aktuell bemüht ist sein Abitur am Siegerland-Kolleg zu erlangen, ist in der Festschrift des Kollegs als Autor eines Beitrags mit dem Titel „Das Einzugsgebiet des Siegerland-Kollegs“ in der Rubrik „Das Siegerland-Kolleg in Tabellen, Grafiken und Karten“ aufgeführt.

Maurer in Stolberg
Sascha Maurer auf einer Demonstration in Stolberg


Sascha Maurer (zweiter von rechts) mit Axel Reitz (mitte) und Paul Breuer (links)

Maurer glänzte in der Vergangenheit weniger durch schulisches Engagement, stattdessen trat er u.a. als Anmelder von Demonstrationen der FNSI, als Stadtratsmitglied für die NPD, als Veranstalter/Teilnehmer von Fackelmärschen zu Ehren von SS-Angehörigen, als Redner auf diversen Veranstaltungen der Neonazi-Szene (u.a. Axel Reitz und Paul Breuer (Anmerkung: Kölner Neonazis, nicht zu verwechseln mit dem oben genannten Landrat Paul Breuer)), durch Störung einer Gedenkveranstaltungen für die Opfer des Nationalsozialismus auf dem Hermelsbacher Friedhof und durch Anwendung von Gewalt gegen einen Journalisten während einer Demonstration in Berlin öffentlich in Erscheinung.
Andere politisch motivierte Straftaten wie Angriffe auf die Buchhandlung Bücherkiste, das Parteibüro von Die Linke, das Büro der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, auf das Gebäude des Aktiven Museums Südwestfalens/den Platz der Synogoge, auf einen Informationsstand anlässlich des Israeltages, auf PKW und Wohnhäuser sowie verschiedene Fälle von teilweise schwerer Körperverletzung konnten zwar nie Maurer selbst nachgewiesen werden, wurden aber immer mit Personen aus dem Umfeld der FNSI, zu deren „Führungsriege“ Maurer bis zu deren Zerfall zählte, in Verbindung gebracht.
Auch wenn Sascha Maurer in den vergangen Jahren zugunsten seiner privaten und beruflichen Zukunft zunehmend darauf verzichtet hat, in der Öffentlichkeit politisch in Erscheinung zu treten, von seinem menschenverachtenden Weltbild und seinen bisherigen Aktivitäten hat er sich zu keinem Zeitpunkt distanziert.

Welche Pädagogik seitens der Verantwortlichen am Siegerland-Kolleg hinter der Tatsache steckt, ausgerechnet einem bekennenden, gewalttätigen Neonazi in derartiger Weise eine Plattform zu bieten und somit dazu beizutragen ihn gesellschaftlich zu rehabilitieren und der Verantwortung für seine Aktivitäten zu entziehen, bleibt unklar.

Siegener Neonazis überregional aktiv

Im Zuge verschiedener Ermittlungs- und Gerichtsverfahren gegen Angehörige der Siegener Neonazi-Szene im vergangenen Jahr scheint es ruhig geworden zu sein in derselbigen. So wurde im März 2012 im Zuge der Ermittlungen gegen das „Aktionsbüro Mittelrhein“ auch der Siegerländer Michael Schulz festgenommen. Im August 2012 begann am Landgericht Koblenz der Prozess gegen die insgesamt 26 Neonazis wegen Bildung bzw. Unterstützung einer kriminellen Vereinigung, Körperverletzungen, Sachbeschädigungen, Volksverhetzung und Landfriedensbruch. Fünf der Beschuldigten machten umfangreiche Aussagen, weitere drei ließen Erklärungen verlesen, die ihrer Entlastung dienen sollten. Darunter auch Axel Reitz, zu dem die „FNSI“ stets intensive Kontakte pflegte und der inzwischen in Neonazi-Kreisen aufgrund seiner Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft als „Verräter“ gilt. Während Reitz und andere Aussagewillige sich im weiteren Verlauf als „Aussteiger“ präsentierten, macht Michael Schulz keineswegs Anstalten sich als geläutert zu zeigen, sondern zeigt – nachdem die „FNSI“ als lokale Gruppe inaktiv geworden sind und auch ihre Homepage seit den Razzien gegen das „Aktionsbüro Mittelrhein“ offline ist – überregional Präsenz.
Am 23.02.2013 berichtete er auf einer Veranstaltung der „Autonomen Nationalisten Wetzlar“ zum Gedenken an den SA-Sturmführer Horst Wessel von seiner Zeit in Untersuchungshaft.

Verstaltung der \"Autonomen Nationalisten Wetzlar\"
Veranstaltung der „Autonomen Nationalisten Wetzlar“ zum Todestag von Horst Wessel

Auch in der im Mai 2012 von Christian Worch gegründeten Partei „Die Rechte“ finden nicht nur Personen aus dem Umfeld des im vergangenen Sommer verbotenen „Nationalen Widerstand Dortmund“ und der ebenfalls im letzten Jahr verbotenen „Kameradschaft Hamm“ eine neue politische Heimat. Außer Michael Schulz sucht dort mit André Kauff mindestens ein weiterer Siegener Neonazi Anschluss, wie die Teilnahme der beiden an zahlreichen Veranstaltungen von „Die Rechte“ zeigt. Beide besuchten am 16.03.2013 gleich drei Kundgebungen der Partei in Aachen, Düsseldorf und Mönchengladbach. Auch an der Demonstration von „Die Rechte“ am 30.04.2013 in Dortmund nahmen beide teil.


André Kauff und Michael Schulz am 16.03.2013 in Aachen


Michael Schulz am 16.03.2013 in Mönchengladbach


André Kauff am 30.04.2013 in Dortmund


Michael Schulz am 30.04.2013 in Dortmund

Neonazis aus dem Raum Siegen/Kreuztal nahmen wahrscheinlich auch an der ebenfalls von „Die Rechte“ angemeldeten Demonstration am 01.05.2013 in Dortmund teil. So berichteten Fahrgäste der Ruhr-Sieg-Bahn auf der Strecke nach Siegen von sechs bis acht schwarz gekleideten Personen, darunter einige mit Kleidungsstücken mit dem Aufdruck „Anti-Antifa Westerwald“ und mit Fahnenstöcken ausgestattet, die im Zug das Horst-Wessel-Lied anstimmten und durch antisemitischen Äußerungen auffielen. Teile der Gruppe verließen den Zug in Kreuztal, weitere fuhren bis nach Siegen. Ob Michael Schulz und André Kauff sich in dieser Gruppe befanden, ist nicht bekannt.

Razzien in Siegen und im Westerwald [Update]

Wie verschiedenen Medien zu vernehmen ist, fanden gestern Razzien gegen drei Neonazis aus dem Westerwald und Siegen statt. Die drei Männer sollen Mitglieder der Nazi-Band mit dem mehr als eindeutigen Namen „Kaltes Judenleder“ gewesen sein. Fanden die Hausdurchsuchungen aufgrund des Verdachts der Volksverhetzung und des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen statt, so wurden die Ermittlungen mittlerweile auf den Straftatbestand Verstoß gegen das Waffengesetz ausgeweitet. Bei den Durchsuchungen wurden mehrere Waffen und Munition gefunden.

Update:
Nach Informationen der Siegener Zeitung handelt es sich bei einem der drei Neonazis um ein ehemaliges Mitglieder der „Kameradschaft Westerwald“. Die Kameradschaft Westerwald war eine überregional bedeutende militante Nazigruppe, die im Jahr 2005 per Gericht als kriminelle Vereinigung eingestuft und somit verboten wurde. Ein 30-Jähriger Mann aus Wissen, gegen den sich die gestrige Razzia richtete, sei in dem Prozess damals als Mitglied einer kriminiellen Vereinigung verurteilt worden, so die SZ.

Zu den Berichten:

Bericht von „blick nach rechts“

Bericht auf derwesten.de

Zum Bericht der Siegener Zeitung


Zum Bericht der Rhein Zeitung

Festnahmen in der Innenstadt

Laut dem Nachrichtenportal wirsiegen.de kam es heute Mittag um 12 Uhr zu einer unagemeldeten Nazidemonstration in der Siegener Innenstadt. Etwa 10 vermummte Personen seien mit einem Plakat unter lauten Parolen durch die Fußgängerzohne (vermutlich Bahnhofsstraße) gezogen. Im Anschluss wurden fünf Teilnehmer der Demonstration von der Polizei festgenommen. Diese Festgenommen stammten nicht aus Siegen selbst, sondern aus Erndtebrück, Bad Berleburg und dem benachbarten Hessen.

Die Demonstration ist aller Wahrscheinlichkeit nach im Zusammenhang mit dem urpsrünglich für heute geplanten „Nationalen Antikriegstag“ in Dormtund zu sehen. Das erste September Wochenende nutzen Neonazis seit mehreren Jahren um in Dortmund den traditionellen Antikriegstag in ihrem Sinne umzudeuten. Die Demonstration hatte sich schnell zu einem der bundesweit größten, regelmäßig stattfinden Neonaziaufmärsche entwickelt. Organisiert wurde die Veranstaltung regelmäßig vom „Nationalen Widerstand Dortmund“ (NWDO), der größten Dortmunder Neonazigruppe aus dem Spektrum der sogenannten „freien Kräfte“. In der Vergangenheit nahmen auch immer wieder Siegener Neonazis am „nationalen Antikriegstag“ teil. Der NWDO wurde jedoch, neben anderen Nazigruppen aus NRW, mitte August vom Innenministerium zur verbotenen Organisation erklärt, wodurch auch die diesjährige Demonstration zum Antikriegstag verboten wurde.

Mehr Informationen zum Vorfall in der Siegener Innenstadt folgen.



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