Archiv für November 2009

Erneute Sachbeschädigungen


Gezielte Sachbeschädigungen durch Nazis an prädestinierten Gebäuden häufen sich. Nach den 3 Farbbeutel-Anschlägen auf das VEB-Gebäude und den Schmierereien am aktiven Museum am Platz der alten Synagoge, wurde die Fassade des Radio Siegen ebenfalls verunstaltet. Samstag Nacht wurde ein Fenster des Büros der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit durch die Außen-Jalousie hindurch zerschlagen. Bereits 2 Monate vorher wurden dort mehrere Scheiben zerstört. In der Nacht vom 27. auf den 28. November wurde die Fassade des VEB mit der Parole „Antideutsche angreifen!“ verunstaltet.

Nazischmierereien am aktiven Museum

Vermutlich in der Nacht vom 15.11.09 auf den 16.11.09 wurde das Aktive Museum Südwestfalen von Nazis beschmiert. Das AMS befindet sich auf dem Platz der 1938 im Zuge der „Reichskristallnacht“ von den Nazis niedergebrannten Synagoge und beschäftigt sich sowohl mit der Geschichte des Judentums in der Region als auch mit dem Schicksal weiterer Opfergruppen des Nationalsozialismus. Nachdem mehrere FNSI Aktivisten dort bereits letzte Woche eine Gedenkveranstaltung störten und Teilnehmer abfotografierten, war der Eingangsbereich nun mit 2 Stencils der „Intifada Media“-Seite (dem FNSI Medienprojekt) beschmiert. Neben der Hausnummer und über dem Briefkasten prangten die Parolen „NS REVOLUTION“ und „GEGEN DAS SYSTEM UND SEINE LÜGEN“.

Nazis bei Gedenkveranstaltung am Platz der Synagoge

Anlässlich der Zerstörung der Siegener Synagoge vom 10.11.1938 im Zuge der „Reichskritallnacht“, wurde auch dieses Jahr wieder am 10.11.09 eine Gedenkstunde am Platz der Synagoge für die Opfer des eliminatorischen Antisemitismus der NS-Zeit abgehalten.
Wie in keinem anderen Jahr allerdings, mischten sich während der Gedenkveranstaltung mehrere Nazis, darunter Aktivisten der FNSI unter die durch zahlreiche Regenschirme unübersichtlich gewordene Trauergemeinde. Als der FNSI Aktivist und Vertreter der NPD im Stadtrat Sascha Maurer am Schluss der Veranstaltung in Mitten der Menge stand und beim Abfotografieren von BesucherInnen der Veranstaltung erkannt wurde, rückten zwei anwesende Polizeibeamte an und begleiteten den Nazi in Schleichschritt aus der Veranstaltung zum Gedenken der NS-Opfer heraus und führten ihn an die etwa 30 Meter entfernte Bushaltestelle auf der selben Straße. Personalien wurden augenscheinlich nicht aufgenommen, eine körperliche Durchsuchung fand nicht statt, ein weiträumiger Platzverweis blieb aus und die Polizeibeamten entfernten sich nach einer kurzen Unterhaltung wieder von Maurer. Dieser verweilte selbstverständlich zunächst an Ort und Stelle und verfolgte anschließend eine Gruppe von TeilnehmerInnen der Veranstaltung über mehrere Umwege in ein Café. Über eine Stunde verweilte der junge Nazi vor dem Café und versuchte dabei mehrfach in das Lokal hinein zu fotografieren. Als die BesucherInnen schließlich das Café verlassen hatten, stand Maurer, mittlerweile mit Unterstützung von seinen Kameraden Steffen Spork und Bruder Kevin Maurer, immernoch vor dem Lokal und verfolgte die Gruppe auf ihrem weiteren Weg. Weitere Kleingruppen der Nazis bewegten sich ebenfalls durch die Oberstadt. Als die Gruppe dann zunächst ein anderes Lokal besuchte und dort weitere Verfolgte antraf, wurde erneut die Polizei verständigt um die sichere Heimkehr der BesucherInnen zu garantieren. Diese traf jedoch äußerst verspätet ein, traf die Nazis nicht mehr unmittelbar vor der Tür des Lokals an und zeigte sich daraufhin äußerst entnervt und verständnislos. Anlässlich der Schamlosigkeit der Nazis, bei einer solchen Gedenkveranstaltung aufzuschlagen und angesichts der offensichtlichen Verkennung der Ernsthaftigkeit der Lage seitens der Polizei erreichten uns mehrere Nachrichten. Zugleich veröffentlichten die FNSI einen Artikel auf ihrer Homepage, in dem sie den 9. November als einen „aufgrund seiner ,negativ‘ belegten Ereignisse durch die Nationalsozialisten“ „Nationalfeiertag“. Besondere Beachtung sei an dieser Stelle dem durch Anführungszeichen hinterfragten Wort „,negativ‘“ zu schenken.

Beispiel Freiburg/Lörrach

Eine ZDF- „Mona Lisa“– Kurzdokumentation über einen aktuellen Fall aus dem Großraum Freiburg stellt die Brisanz neonazistischer Gefahr und die Notwendigkeit einer verantwortungsvollen Recherche-Arbeit anschaulich dar.
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3 Wochen – 3 Farbanschläge

In der Nacht vom 6. auf den 7.11.09 verübten die Nazis erneut einen Farbanschlag auf das VEB. Bei diesem 3. Farbanschlag innerhalb von 3 Wochen wurde die Seitenfassade mit 8 Weihnachtsbaumkugeln, gefüllt mit grauer Farbe, beworfen.

Angriff auf Privatwohnung eines VVN-BdA Mitglieds

In der Nacht von Samstag den 31.10.09, auf Sonntag den 01.11.09, kam es um ca. 4 Uhr morgens zu einem Angriff auf die Privatwohnung eines stadtbekannten Mitglieds und Sprechers der VVN-BdA Siegen (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten) in Netphen.

Eine Gruppe Siegener Nazis stieg Samstag früh um 9:08 in den RE9 nach Aachen, um dort an einer Demonstration unter dem Motto „Gegen linke Gewalt – Für ein Verbot der Antifa!“ teilzunehmen. Zu der groß angekündigten Demonstration erschienen letztlich aber nur 80 Teilnehmer, sodass die Siegener Nazis eher unzufrieden nach Hause gefahren sein dürften.

Nachdem in dieser Nacht um ca. 3 Uhr ein Konzert im VEB zu Ende ging, wurde die Fassade im Schutz der Dunkelheit erneut mit Farbe attackiert. Seit dem letzten Farbanschlag am frühen Morgen des 24.10. war nur eine Woche vergangen, als das Gebäude nun mit Weihnachtsbaumkugeln – mit grüner Farbe gefüllt und mit Gaffa-Klebeband zugeklebt – beworfen wurde.

Um 4:05 Uhr schlug ein großer schwerer runder Stein durch ein Fenster des Hauses eines Mitglieds und Sprechers der VVN-BdA Siegen und dessen Vater. Die zuvor geschlossenen Jalousien müssen von den TäterInnen geöffnet worden sein. Der Stein schlug mit einer derartigen Wucht durch das Fenster, dass er auf der gegenüberliegenden Seite noch eine schwere Macke in der Wand hinterlassen hat. 5 weitere Steine der selben Größe lagen nahe an der Hauswand und waren möglicherweise davon abgeprallt. Die TäterInnen riskierten klarer Weise lebensgefährliche Verletzungen von Personen, die sich möglicherweise unmittelbar hinter dem Fenster hätten befinden können. Ein weiteres Fenster wurde mit einem Ei beworfen.