Nazis bei Gedenkveranstaltung am Platz der Synagoge

Anlässlich der Zerstörung der Siegener Synagoge vom 10.11.1938 im Zuge der „Reichskritallnacht“, wurde auch dieses Jahr wieder am 10.11.09 eine Gedenkstunde am Platz der Synagoge für die Opfer des eliminatorischen Antisemitismus der NS-Zeit abgehalten.
Wie in keinem anderen Jahr allerdings, mischten sich während der Gedenkveranstaltung mehrere Nazis, darunter Aktivisten der FNSI unter die durch zahlreiche Regenschirme unübersichtlich gewordene Trauergemeinde. Als der FNSI Aktivist und Vertreter der NPD im Stadtrat Sascha Maurer am Schluss der Veranstaltung in Mitten der Menge stand und beim Abfotografieren von BesucherInnen der Veranstaltung erkannt wurde, rückten zwei anwesende Polizeibeamte an und begleiteten den Nazi in Schleichschritt aus der Veranstaltung zum Gedenken der NS-Opfer heraus und führten ihn an die etwa 30 Meter entfernte Bushaltestelle auf der selben Straße. Personalien wurden augenscheinlich nicht aufgenommen, eine körperliche Durchsuchung fand nicht statt, ein weiträumiger Platzverweis blieb aus und die Polizeibeamten entfernten sich nach einer kurzen Unterhaltung wieder von Maurer. Dieser verweilte selbstverständlich zunächst an Ort und Stelle und verfolgte anschließend eine Gruppe von TeilnehmerInnen der Veranstaltung über mehrere Umwege in ein Café. Über eine Stunde verweilte der junge Nazi vor dem Café und versuchte dabei mehrfach in das Lokal hinein zu fotografieren. Als die BesucherInnen schließlich das Café verlassen hatten, stand Maurer, mittlerweile mit Unterstützung von seinen Kameraden Steffen Spork und Bruder Kevin Maurer, immernoch vor dem Lokal und verfolgte die Gruppe auf ihrem weiteren Weg. Weitere Kleingruppen der Nazis bewegten sich ebenfalls durch die Oberstadt. Als die Gruppe dann zunächst ein anderes Lokal besuchte und dort weitere Verfolgte antraf, wurde erneut die Polizei verständigt um die sichere Heimkehr der BesucherInnen zu garantieren. Diese traf jedoch äußerst verspätet ein, traf die Nazis nicht mehr unmittelbar vor der Tür des Lokals an und zeigte sich daraufhin äußerst entnervt und verständnislos. Anlässlich der Schamlosigkeit der Nazis, bei einer solchen Gedenkveranstaltung aufzuschlagen und angesichts der offensichtlichen Verkennung der Ernsthaftigkeit der Lage seitens der Polizei erreichten uns mehrere Nachrichten. Zugleich veröffentlichten die FNSI einen Artikel auf ihrer Homepage, in dem sie den 9. November als einen „aufgrund seiner ,negativ‘ belegten Ereignisse durch die Nationalsozialisten“ „Nationalfeiertag“. Besondere Beachtung sei an dieser Stelle dem durch Anführungszeichen hinterfragten Wort „,negativ‘“ zu schenken.


0 Antworten auf „Nazis bei Gedenkveranstaltung am Platz der Synagoge“


  1. Keine Kommentare

Antwort hinterlassen

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>