Pro NRW übertönt

Am vergangenen Mittwoch, dem 5.Mai, hielt die „Bürgerbewegung pro NRW“ eine Wahlkampfveranstaltung auf der Siegplatte ab. Siegen war an diesem Tag nach Hagen und Lüdenscheid die dritte Station des Tourbusses, welcher der Pro-Partei von der extrem rechten belgischen Regionalpartei Vlaams Belang bereitgestellt worden war. Seit ihrem Start am 2.Mai wird die Tour der Pro Partei von massiven Gegenprotesten begleitet. Besonderes Aufsehen gab es um einen Vorfall in Gütersloh am 3.Mai, wo Gegendemonstranten den Bus bei seiner Ankunft umstellten um die Insassen am Aussteigen zu hindern. – Von der Situation überfordert raste der Busfahrer los und verfehlte nur knapp mehrere der Blockierenden. Mit einer Anzeige ist zu rechnen.
(Bild: Jörg Uckermann beschimpft migrantische Jugendliche, die sich im Foyer des Bankgebäudes befinden)

Auch in Siegen erwartete die Insassen des mitgenommenen Tourbus keineswegs eine Gruppe interessierter Zuhörer – vielmehr ließen etwa 100 bis 200 Gegendemonstranten die Veranstaltung im Lärm untergehen. Diese hatten sich zum Teil bereits Stunden zuvor auf der Siegplatte gesammelt. Die Polizei reagierte im Vorfeld der Veranstaltung mit Taschenkontrollen und nahm die Personalien zahlreicher Anwesenden auf. Im Laufe des Nachmittages stießen immer mehr Familien, Passanten und weitere Interessierte zu den Jugendlichen. Mit Lärm und entsprechenden Gesten wurde schließlich der pro NRW-Bus „begrüßt“. Die Geräuschkulisse, die Pro NRW entgegengebracht wurde, flautete bis zum Ende der Veranstaltung nicht ab und übertönte die mitgebrachte Anlage der „Rechtspopulisten“ vollständig. Zu Wort zu kommen versuchte zunächst Pro NRW-Landesvorstandsmitglied Bernd Schöppe, der Anfang der 90er für die „Deutsche Liga für Volk und Heimat“ zur Kommunalwahl in Köln kandidierte. Schöppe ist Mitverantwortlicher für verschiedene rechte Schülerzeitungen und war zeitweilig im Umfeld der „Kameradschaft Köln“ aktiv. Außerdem sprachen Gereon Breuer – ehemals Kreisvorsitzender der Jungen Union Siegen-Wittgenstein, Vorsitzender des RCDS und Jörg Uckermann, Kölner Stadtrat und Ehrenfelder Bezirksvertreter, dessen Name bisher im Zusammenhang mit Versicherungsbetrug und Geldwäsche auftauchte, der sich aber demnächst auch wegen Körperverletzung gegen eine Demonstrantin behaupten muss. Schließlich sprach Brinkmann.

(Nachdem Brinkmann zu Beginn der Veranstaltung mit erhobener Bibel vor den Gegendemonstranten auf und ab stolziert war, wurde es pro NRW verboten, diese zu zeigen.)

Müde Beachtung erlangte eine Gruppe von Mitgliedern der FNSI, die vor Eintreffen des Pro NRW-Busses auf der Siegplatte auftauchte. Nach einem kurzen Gespräch mit den anwesenden Ordnungskräften entfernten sich die Neonazis wieder und verweilten bis zum Ende der Veranstaltung in Sichtweite auf dem angrenzenden Scheinerplatz. Lediglich FNSI-Grafiker Sebastian Diehl (im Bild), der zuvor in eine Rangelei verwickelt war, und NPD-Stadtratsmitglied Sascha Maurer, der seinen Platzverweis missachtete und weiter versuchte, Gegendemonstranten zu provozieren, wurden in Polizeigewahrsam genommen.