Archiv für August 2011

Neues vom VfB Wilden

Wie der Homepage der zweiten Mannschaft zu entnehmen spielt Alexander Stangier seit dieser Saison wieder für den VfB Wilden, jedoch für die zweite Mannschaft. Stangier ist bekannt als Betreiber des, mittlerweile vom Netz genommenen, neonazistischen „Wieland-Versand“. Über diesen Internet Versand vertrieb er verschiedenste rechtsextreme Propagandaartikel, von denen diverse auf dem Index standen. Daraus resultierte eine Razzia in Stangiers Wohnung im September 2010 und eine Anklage in neun verschiedenen Fällen. Der VfB Wilden, bei dessen erster Mannschaft Stangier zu diesem Zeitpunkt spielte, reagierte darauf indem er Stangier vom Spielbetrieb ausschloss. Die Reaktion kam – obwohl bereits Wochen zuvor öffentlicher Druck auf den Verein ausgeübt worden war – zu spät und fiel noch vergleichsweise harmlos aus: Seine Vereinsmitgliedsschaft blieb Stangier erhalten.
Ein Grund, warum er jetzt wieder für den VfB Wilden spielen kann. Der Verein scheint aus den Ereignissen letzten Jahres nichts gelernt zu haben.

Stephan Flug tritt aus der NPD aus

Wie die Siegener Zeitung heute berichtet, ist Stephan Flug, bisher bekannt als Vorsitzender des NPD-Kreisverbands Siegen-Wittgenstein und für diesen Mandatsträger im Siegener Kreistag, aus der NPD ausgetreten.

Auch die Portale „blick nach rechts“ und „nrw rechtsaussen“ berichten übereinstimmend über den Austritt. Der in Freudenberg wohnende Flug begründete den Austritt mit „inhaltlichen Abweichungen“ und dem Eindruck, die NPD sei „bis in die Führungsspitzen fremdgesteuert“.
Flug, der zum offen neonazistischen Flügel der Partei gezählt wurde, eckte mit seiner Position bereits in jüngster Vergangenheit innerhalb der NRW-NPD immer wieder an. Zuletzt machte er im Oktober 2010 auf sich aufmerksam, als er das Ergebnis der Wahl zum Landesvorsitzenden auf dem Landesparteitag der NPD-NRW anfocht. Auf diesem war Claus Cremer als Vorsitzender wiedergewählt worden. Ein Ergebnis, das dem offen nationalsozialistischen Flügel Flugs, zu dem z.B. auch der Dürener Kreisverband unter Ingo Haller zählt, eine klare Abfuhr erteilte. Damals kam Flug zu dem Schluss, „in diesem Land sei parlamentarisch nichts mehr zu lösen“. So kommt der Austritt zwar spät, dafür aber konsequent und wenig überraschend.
Sein Kreistagsmandat will Flug aber als „Parteiloser“ trotzdem weiter wahrnehmen.
Mit dem Austritt Flugs steht es schlecht um die NPD Siegen. Zwar konnte die Partei zur letzten Kommunalwahl 2009 relativ flächendeckend im Kreis antreten. Jedoch wäre dies ohne die enge Zusammenarbeit mit parteifreien Teilen der „Freien Nationalisten Siegerland“, welche personell fast vollständig auf der Wahlliste der NPD zu finden waren, nicht möglich gewesen. Der einzige nenneswerte Akteur der Siegener NPD neben Stephan Flug, Peter Schulze, tritt seit dem Jahreswechsel 2009/2010 gar nicht mehr öffentlich in Erscheinung. Der Austritt scheint für die NPD Siegen Handlungsunfähigkeit zu bedeuten.
Die erfreuliche Nachricht vom möglichen Zerfall der NPD Siegen darf aber nicht über die weiterbestehende Naziproblematik in Siegen hinwegtäuschen. Unklar ist zwar, ob die Partei zu kommenden Wahlen antreten kann und somit auf lange Sicht weiter in Stadtrat und Kreistag vertreten sein wird, jedoch zeigen die jüngsten Ereignisse nur allzu deutlich, dass gerade die Gewaltbereitschaft und Kriminalität der parteifreien Neonazis lokal nicht unterschätzt werden darf.

Nachtrag zum Angriff auf Linksparteibüro (08.08)

Mittlerweile ist die Identität von zwei der drei im Rahmen des jüngsten Angriffs auf das Büro der Siegener Linkspartei Festgenommen bekannt. Es handelt sich um zwei alte Bekannte der militanten Neonaziszene in Siegen: Kevin Maurer und Kai André Schulz.


(Links vorne: Kai Schulz auf einer Demonstration in Stolberg 2011; Rechts: Kevin Maurer)

Beide zählen seit mehreren Jahren zu den aktivsten und gewaltbereitesten Akteuren der lokalen Naziszene rund um die „Freien Nationalisten Siegerland“. Nicht nur in der Siegener Öffentlichkeit sollten sie mittlerweile bekannt sein – auch für die Siegener Polizei sind Maurer und Schulz keine neuen Name. Beide begegneten der Polizei mehrmals im Rahmen von gewaltätigen Straftaten, bei denen die zwei Neonazis jedoch trotz eindeutiger Sachlage nie ernsthafte Konsequenzen durch Polizei oder Justiz zu fürchten hatten.
Beide waren an einem Überfall auf ein Konzert in den Räumen des VEB im Oktober 2010, bei dem die Besucher des Konzert mit Flaschen beworfen wurden, beteiligt. Unmittelbar nach dem Angriff stellte die Siegener Polizei die Täter noch vor dem Gebäude des VEB, Personalien wurden kontrolliert und Platzverweise verteilt. Nur einer der Beteiligten wurde vorrübergehend festgenommen, juristische Konsequenzen blieben völlig aus.
Auch ohne ernste Folgen konnte eine 10-köpfige Neonazigruppe, zu der auch Kai Schulz zählte, im März 2011 stundenlang marodierend durch die Siegener Innenstadt ziehen. Nachdem die Gruppe nach mehreren gewaltätigen Übergriffen in der Kneipe „Shamrock“ von Türstehern entfernt wurde, nahm die Polizei vor der Kneipe Personalien und Anzeigen gegen die Beteiligten auf, ließ die alkoholisierte und offensichtlich äußerst gewaltbereite Nazigruppe jedoch anschließend ungehindert weiterziehen. Aus diesem Fehlverhalten der Siegener Polizei resultierte schließlich der Krankenhausaufenthalt zweier junger Männer, die kurze Zeit später von der Nazigruppe auf der Siegplatte brutal zusammengeschlagen wurden.
Dies sind nur zwei Beispiele einer Reihe gewaltätiger Angriffe auf Sachen und Personen in den vergangenen Jahren, an denen Kai André Schulz und Kevin Maurer beteiligt waren. Bislang bleibt offen, ob es nach deren jüngsten Festnahmen zu juristischen Konsequenzen für die beiden kommt.

Schmierereien in Niederschelden

Wie die Siegener Zeitung vergangenen Samstag berichtete, kam es in der Nacht von Mittwoch (10.08.) auf Donnerstag zu neonazistischen Farbschmierereien in Niederschelden. Zu den Tätern, die die Maccostraße verunstalteten, ist noch nichts bekannt.

Naziangriffe und Festnahmen

Nachdem in der Nacht von Freitag auf Samstag ein Stein in ein Fenster des VEB geworfen wurde, kam es in der heutigen Nacht zu einem erneuten Naziangriff auf das Büro der Partei „Die Linke“ in der Oberstadt. Etwa gegen 3:00 Uhr wurden sämtliche Frontscheiben eingeschlagen. Erstmals verschafften sich die Täter auch Zugang zum Büro selbst, wie die Verwüstungen im Innenraum bezeugen. Ein zerstörter Computermonitor, ein zerstörtes Telefon und ein umgeworfenes Regal waren die Folge.

Nachdem von Nachbarn die Polizei verständigt wurde fanden sich noch in der Nacht der Staatsschutz und die polizeiliche Spurensicherung ein.
Der WDR und Radio Siegen berichten mittlerweile übereinstimmend, dass im Laufe des Tages drei Tatverdächtige festgenommen werden konnten. Die 20 bis 21 Jährigen seien eindeutig der rechten Szene zuzuordnen. Auch die Polizei Siegen berichtet in einer Pressemeldung über die drei Festnahmen. Bei dem heute morgen Festgenommenen, der sich laut WDR mittlerweile wieder auf freiem Fuß befindet, handelt es sich unbestätigten Informationen zufolge womöglich um Kevin Maurer. Kevin und sein älterer Bruder Sascha Maurer zählen seit mehreren Jahren zu den aktivsten Neonazis im Kreis der „FNSI“.
Gegen die drei Tatverdächtigen wurden Anzeigen aufgenommen.

Nachtrag: Die WDR Lokalzeit berichtete heute kurz über den Vorfall.