Stephan Flug tritt aus der NPD aus

Wie die Siegener Zeitung heute berichtet, ist Stephan Flug, bisher bekannt als Vorsitzender des NPD-Kreisverbands Siegen-Wittgenstein und für diesen Mandatsträger im Siegener Kreistag, aus der NPD ausgetreten.

Auch die Portale „blick nach rechts“ und „nrw rechtsaussen“ berichten übereinstimmend über den Austritt. Der in Freudenberg wohnende Flug begründete den Austritt mit „inhaltlichen Abweichungen“ und dem Eindruck, die NPD sei „bis in die Führungsspitzen fremdgesteuert“.
Flug, der zum offen neonazistischen Flügel der Partei gezählt wurde, eckte mit seiner Position bereits in jüngster Vergangenheit innerhalb der NRW-NPD immer wieder an. Zuletzt machte er im Oktober 2010 auf sich aufmerksam, als er das Ergebnis der Wahl zum Landesvorsitzenden auf dem Landesparteitag der NPD-NRW anfocht. Auf diesem war Claus Cremer als Vorsitzender wiedergewählt worden. Ein Ergebnis, das dem offen nationalsozialistischen Flügel Flugs, zu dem z.B. auch der Dürener Kreisverband unter Ingo Haller zählt, eine klare Abfuhr erteilte. Damals kam Flug zu dem Schluss, „in diesem Land sei parlamentarisch nichts mehr zu lösen“. So kommt der Austritt zwar spät, dafür aber konsequent und wenig überraschend.
Sein Kreistagsmandat will Flug aber als „Parteiloser“ trotzdem weiter wahrnehmen.
Mit dem Austritt Flugs steht es schlecht um die NPD Siegen. Zwar konnte die Partei zur letzten Kommunalwahl 2009 relativ flächendeckend im Kreis antreten. Jedoch wäre dies ohne die enge Zusammenarbeit mit parteifreien Teilen der „Freien Nationalisten Siegerland“, welche personell fast vollständig auf der Wahlliste der NPD zu finden waren, nicht möglich gewesen. Der einzige nenneswerte Akteur der Siegener NPD neben Stephan Flug, Peter Schulze, tritt seit dem Jahreswechsel 2009/2010 gar nicht mehr öffentlich in Erscheinung. Der Austritt scheint für die NPD Siegen Handlungsunfähigkeit zu bedeuten.
Die erfreuliche Nachricht vom möglichen Zerfall der NPD Siegen darf aber nicht über die weiterbestehende Naziproblematik in Siegen hinwegtäuschen. Unklar ist zwar, ob die Partei zu kommenden Wahlen antreten kann und somit auf lange Sicht weiter in Stadtrat und Kreistag vertreten sein wird, jedoch zeigen die jüngsten Ereignisse nur allzu deutlich, dass gerade die Gewaltbereitschaft und Kriminalität der parteifreien Neonazis lokal nicht unterschätzt werden darf.