Nazi-Anschlag auf Christlich-Jüdische? [Update]

Wie die Siegener Zeitung berichtet, kam es in der heutigen Nacht zu einem Anschlag, der vermutlich der Gesellschaft für christliche-jüdische Zusammenarbeit galt. Laut SZ wurde ein Knallkörper in einen Briefkasten des Hauses im Häutebachweg gesteckt. Durch die Explosion löste sich ein Teil des Briefkasten und durchschlug die Scheibe der ebenfalls im Haus anwesenden Praxis für Physiotherapie. Zwar sei der Adressat des Anschlags nicht genau zu ermitteln, da ein Bekennerschreiben fehle. Die Tatsache, dass sich im gleichen Haus das Büro der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit befinde und die Tatsache, dass dies nicht der erste Anschlag auf das Gebäude gewesen sei, geben Anlass zur Vermutung, dass es sich um einen Anschlag „politisch motivierter Täter“ handle. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen aufgenommen und betont, dass ein rechter Hintergrund zwar nicht auszuschließen sei, aber ebenso gut der „aktuelle iranisch-israelische Konflikt eine Rolle spielen“ könne.
Es ist richtig, dass in diesem Fall ein rechtsradikaler Hintergrund nicht eindeutig belegbar ist. Die belegbare Tatsache, dass in den vergangenen Jahren sowohl die christlich-jüdische Gesellschaft als auch das Aktive Museum Südwestfalen am Platz der ehemaligen Synagoge mehrmals Ziel eindeutig neonazistisch motivierter Anschläge war, gibt jedoch ausreichend Anlass zur Vermutung, wer sich hinter dem Angriff verbergen könnte. Darüber hinaus sollte auch dem Staatsschutz bekannt sein, dass ein Großteil der politisch motivierten Anschläge der letzten Jahre in Siegen nicht von iranischen Geheimagenten, sondern von deutschen Nazis verübt wurde.

Ergänzung: Wie die Siegener Zeitung nur kurze Zeit später berichtete, wurde in der selben Nacht noch ein weiterer Briefkasten nicht weit von dem Haus im Häutebachweg entfernt gesprengt. Die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um einen gezielten politischen Anschlag handelte, sinkt damit deutlich.