Archiv für April 2012

Stand der Dinge

Seit den jüngsten Gerichtsverfahren gegen Mitglieder der Siegener Naziszene, die mit Geld- und Bewährungsstrafen endeten, scheint es im Siegener Stadtgebiet zu keinen öffentlichkeitswirksamen Aktionen der Szene gekommen zu sein.


Sascha Maurer auf der Demonstration in Stolberg

Die Betätigungsfelder der einzelnen Akteure der FNSI – oder was davon übrig geblieben ist – haben sich verschoben.
So versuchst beispielsweise Sascha Maurer, der 2009 für die NPD in den Stadtrat einzog und über Jahre einer der Hauptakteure der regionalen Szene war, seit geraumer Zeit am Siegerlandkolleg seine Allgemeine Hochschulreife zu erlangen. Im Bezug auf seine politische Gesinnung hält er sich hier jedoch bedeckt, hat Kappe und AN-Style gegen Karo-Hemd und bürgerliches Auftreten getauscht.


Kai Schulz (Mitte) auf der Demonstration in Stolberg

Kai Schulz, derzeit wegen mehrfacher – zum Teil schwerer – Körperverletzung auf Bewährung, bemüht sich sogar aktiv, sich von der Szene zu distanzieren. Nachdem er im vergangenen Jahr von der Fussball-Fangruppierung „Siegerländer Halunken“ ausgeschlossen worden war, versuchte er jüngst vergeblich bei anderen Teilen der Siegener Fanszene Anschluss zu finden.
Hierbei gab er an, er habe sich bereits im vergangenen November „von sämtlichen aktivismus für die Rechte szene los gesagt.“ Er „bereue die zeit die [er] mit dem scheiß verbracht habe sehr“.
Erfreulicherweise blieben seine Bemühungen fruchtlos – Obwohl er inständig darum bat, wieder an Auswärtsspielen der Sportfreunde teilnehmen zu können, wurde ihm zuletzt die Fahrt im Sonderzug zum Derby in Erndtebrück verwehrt.
Auch andere Mitglieder der Szene treten regional weniger in Form von politischen Aktionen in Erscheinung als in der Vergangenheit. Ein Teil der Szene scheint sich in den häuslich-familiären Bereich zurück zu ziehen, wie beispielsweise der junge Vater Alexander Stangier (Betreiber des Wielandversandes und der Homepage der FNSI). Andere Siegener Neonazis, darunter die Brüder Kai und Michael Schulz, Kevin Maurer und Steffen Spork, fielen in den letzten Monaten überwiegend durch Kneipenschlägereien und andere gewalttätige Übergriffe im Rahmen von „Sauftouren“ auf.


Sebastian Diehl auf der Demonstration in Stolberg

Eine Sonderrolle nimmt Sebastian Diehl ein, der in der Vergangenheit für die Grafikmaterialien und den medialen Auftritt der Szene verantwortlich war. Er pflegt ganz offensichtlich kontinuierlich überregionale Kontakte zu führenden Neonazikadern und tritt bundesweit auf unterschiedlichen Demonstrationen und Kundgebunden als Kameramann in Erscheinung. Zuletzt filmte er im vergangenen März und in diesem Monat im Rahmen der Naziaufmärsche in Dortmund und Stolberg. Hier war er nicht der einzige Vertreter der Siegener Szene.
Statt Abiturvorbereitung widmete sich Sascha Maurer am ersten April-Wochenende nicht nur der Anmeldung der Demonstration in Stolberg, sondern hielt darüber hinaus auch eine der Reden. Hierbei befand er sich in Begleitung seines Bruders Kevin Maurer, dem angeblich geläuterten Kai Schulz und André Kauff.
Auch am Wochende davor nahmen Siegener Neonazis, unter ihnen Sascha und Kevin Maurer, dessen Freundin und Sebastian Diehl, am Aufmarsch in Dortmund teil.


Kevin Maurer auf der Demonstration in Dortmund

Obwohl die regionalen Strukturen aufgrund der vergangenen Strafverfahren geschwächt sind und die einzelnen Akteure vor Ort kaum noch politisch in Erscheinung treten, bestehen also nach wie vor enge Kontakte zur überregionalen Nazi-Szene.

Einzig Michael Schulz ist seit der Hausdurchsuchung in seiner Wohnung in Freudenberg am von der Bildfläche verschwunden. Diese fand am 13.März im Rahmen der Ermittlungen gegen das Aktionsbüro Mittelrhein statt, in deren Zuge 24 Personen verhaftet wurden.