Archiv für Juni 2013

Siegener Neonazis überregional aktiv

Im Zuge verschiedener Ermittlungs- und Gerichtsverfahren gegen Angehörige der Siegener Neonazi-Szene im vergangenen Jahr scheint es ruhig geworden zu sein in derselbigen. So wurde im März 2012 im Zuge der Ermittlungen gegen das „Aktionsbüro Mittelrhein“ auch der Siegerländer Michael Schulz festgenommen. Im August 2012 begann am Landgericht Koblenz der Prozess gegen die insgesamt 26 Neonazis wegen Bildung bzw. Unterstützung einer kriminellen Vereinigung, Körperverletzungen, Sachbeschädigungen, Volksverhetzung und Landfriedensbruch. Fünf der Beschuldigten machten umfangreiche Aussagen, weitere drei ließen Erklärungen verlesen, die ihrer Entlastung dienen sollten. Darunter auch Axel Reitz, zu dem die „FNSI“ stets intensive Kontakte pflegte und der inzwischen in Neonazi-Kreisen aufgrund seiner Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft als „Verräter“ gilt. Während Reitz und andere Aussagewillige sich im weiteren Verlauf als „Aussteiger“ präsentierten, macht Michael Schulz keineswegs Anstalten sich als geläutert zu zeigen, sondern zeigt – nachdem die „FNSI“ als lokale Gruppe inaktiv geworden sind und auch ihre Homepage seit den Razzien gegen das „Aktionsbüro Mittelrhein“ offline ist – überregional Präsenz.
Am 23.02.2013 berichtete er auf einer Veranstaltung der „Autonomen Nationalisten Wetzlar“ zum Gedenken an den SA-Sturmführer Horst Wessel von seiner Zeit in Untersuchungshaft.

Verstaltung der \"Autonomen Nationalisten Wetzlar\"
Veranstaltung der „Autonomen Nationalisten Wetzlar“ zum Todestag von Horst Wessel

Auch in der im Mai 2012 von Christian Worch gegründeten Partei „Die Rechte“ finden nicht nur Personen aus dem Umfeld des im vergangenen Sommer verbotenen „Nationalen Widerstand Dortmund“ und der ebenfalls im letzten Jahr verbotenen „Kameradschaft Hamm“ eine neue politische Heimat. Außer Michael Schulz sucht dort mit André Kauff mindestens ein weiterer Siegener Neonazi Anschluss, wie die Teilnahme der beiden an zahlreichen Veranstaltungen von „Die Rechte“ zeigt. Beide besuchten am 16.03.2013 gleich drei Kundgebungen der Partei in Aachen, Düsseldorf und Mönchengladbach. Auch an der Demonstration von „Die Rechte“ am 30.04.2013 in Dortmund nahmen beide teil.


André Kauff und Michael Schulz am 16.03.2013 in Aachen


Michael Schulz am 16.03.2013 in Mönchengladbach


André Kauff am 30.04.2013 in Dortmund


Michael Schulz am 30.04.2013 in Dortmund

Neonazis aus dem Raum Siegen/Kreuztal nahmen wahrscheinlich auch an der ebenfalls von „Die Rechte“ angemeldeten Demonstration am 01.05.2013 in Dortmund teil. So berichteten Fahrgäste der Ruhr-Sieg-Bahn auf der Strecke nach Siegen von sechs bis acht schwarz gekleideten Personen, darunter einige mit Kleidungsstücken mit dem Aufdruck „Anti-Antifa Westerwald“ und mit Fahnenstöcken ausgestattet, die im Zug das Horst-Wessel-Lied anstimmten und durch antisemitischen Äußerungen auffielen. Teile der Gruppe verließen den Zug in Kreuztal, weitere fuhren bis nach Siegen. Ob Michael Schulz und André Kauff sich in dieser Gruppe befanden, ist nicht bekannt.