Neonazis mieten Haus in Freudenberg an

Es ist bekannt, dass die regionale Neonazis-Szene bereits seit Jahren Kontakte über die Grenzen NRWs hinaus pflegt, so z.B. in den Westerwald und in den Lahn-Dill-Kreis. Nun geben aktuelle Entwicklungen in Freudenberg Anlass zur Beunruhigung:
Seit Sommer 2013 haben Neonazis eine Immobilie an der Asdorfer Straße in Freudenberg angemietet. Vermieter ist Ralf Klichta, Inhaber der Recycling-Firma Klichta. Dieser behauptet, er sei sich nicht darüber im Klaren gewesen, um wen es sich bei seinen neuen Mietern handelt. Und obwohl sich das Objekt an der Asdorfer Straße ganz offensichtlich zum Treffpunkt der Neonaziszene aus dem Dreiländereck entwickelt hat, sieht Klichta bislang scheinbar keine Notwendigkeit gegen seine neuen Mieter vorzugehen.
Schon im Juli fiel Anwohnern und Nachbarn auf, dass es sich bei den Mietern und Besuchern des Gebäudes um Personen aus der rechten Szene handelt. Anwohner berichten von Konzerten und größeren Party mit Gästen aus den Kreisen Westerwald, Altenkirchen, Olpe und Siegen-Wittgenstein, die u.a. mit „Sieg Heil“-Rufen einher gingen. Es wurden Personen mit T-Shirts von Neonazi-Gruppierungen aus dem Westerwald gesichtet. Auch Waffen sollen in der Umgebung des Gebäudes gefunden worden sein.
Zwischenzeitig berichtete auch Radio Siegen über das Treiben in Freudenberg.

Neonazi-Treffpunkt in Freudenberg
Das von Neonazis angemietete Objekt in Freudenberg

Am kommenden Samstag 12.10. soll nun ein ganzer Reisebus voller Neonazis von Freudenberg aus zu einem Konzert mit dem Titel „Live H8“ in einen noch geheimgehaltenen Ort in „Mitteldeutschland“ starten. Organisiert wird die Busreise von Lucas G., der sich bei Facebook nach dem Kommandeur der Leibstarte Hitlers und Gruppenführer der Waffen-SS „Joseph Dietrich“ nennt. Lucas G., der ursprünglich aus Oberahr im Westerwald kommt, war zwischenzeitig wie viele andere Personen aus dem Umfeld der „Kameradschaft Westerwald“ nach Ansbach/Bayern verzogen.


Zu diesem Konzert soll am Samstag ein Reisebus aus Freudenberg fahren


Nachricht von Lucas G. in einer Facebook-Gruppe

Lucas G. ist auch bestens bekannt mit Timo Purper, der 2004 an einem brutalen Überfall auf Konzertbesucher in Daaden beteiligt war. Er wurde im Rahmen der Prozesse gegen die Mitglieder der „Kameradschaft Westerwald“ zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Am 05.09.12 wurden sowohl die Wohnung von Lucas G. als auch die von Purper im Rahmen der Ermittlungen gegen die NS-Black Metal – Band „KJL – Kaltes Judenleder“ durchsucht.

Purper und G. stehen in engem Kontakt zu den „Freien Nationalisten Westerwald“ und den „Vereinten Skinheads Westerwald“. Beiden Gruppierungen sind (ehemalige) Mitglieder und Personen aus dem Umfeld der „Kameradschaft Westerwald“, dem „Aktionsbüro Mittelrhein“ und der NPD Westerwald zuzuordnen. Die „Vereinten Skinheads Westerwald“ organisierten 2012 im Westerwald eine „Skinhead-Party“ für „White Kids“.

In Freudenberg fühlen sich Neonazis aber nicht erst seit diesem Sommer wohl. Stephan Flug, ehemaliger Vorsitzender der NPD Siegen ist dort bereits seit längerem wohnhaft und auch Michael Schulz wohnte 2012 zum Zeitpunkt seiner Festnahme im Rahmen der Ermittlungen gegen das „Aktionsbüro Mittelrhein“ in Freudenberg. Und auch Sebastian Diehl, ehemaliger „Medienexperte“ der FNSI, hat es inzwischen nach Freudenberg gezogen. Nachdem er sein Studium an der Universität Siegen aufgegeben hat, hat er vor einigen Monaten eine Ausbildung in Freudenberg begonnen.