Archiv für Mai 2014

Zweites „Live H8″-Konzert abgesagt – Neonazis treffen sich in Siegen

Im vergangenen Oktober nahmen rund 1000 Besucher am Neonazi-Konzert „Live H8“ im mittelfränkischen Scheinfeld teil. Organisiert wurde das Event vom bayrischen NPD-Funktionär und Betreiber des Onlineradios fsn.tv Patrick Schröder. Für den vergangenen Samstag war eine Wiederholung in einer Scheinfelder Disco angekündigt, u.a. mit den Bands „Nahkampf“, „Sturmwehr“, „Terrorsphära“, „Terroritorium“ und „Words of Anger“. Auch die Band „Kategorie C“ sollte anreisen.

Die geplante Veranstaltung wurde am Samstag morgen jedoch gerichtlich untersagt. Daraufhin riet der Veranstalter den Besuchern von einer Anreise ab.

Auch in Siegen trafen sich bereits Samstag früh zahlreiche Neonazis aus der näheren und weiteren Umgebung an der Siegerlandhalle, um gemeinsam nach Bayern zu reisen. Nach der Absage des Konzerts zogen ca. 15 von ihnen zunächst von der Siegerlandhalle in die Siegener Innenstadt und kehrten am Abend schließlich in einer Kneipe in der Löhrstraße ein. Im weiteren Verlauf des Abends folgte eine Auseinandersetzung mit einer Gruppe junger Leute. Eine Person wurde dabei von den Neonazis schwer am Kopf verletzt und befindet sich nach einer Operation noch immer im Krankenhaus.

Die Siegener Polizei scheint in den letzten Jahren wenig dazu gelernt zu haben. Warum sonst konnte eine Gruppe Neonazis wieder stundenlang unbehelligt von der Polizei durch die Stadt ziehen, obwohl die Reisegruppe frühzeitig hätte auffallen müssen.
Nicht nur, dass der Treffpunkt an der Siegerlandhalle am Morgen durch die Polizei nicht beachtet wurde, auch die Absage des Konzerts in Bayern scheint nicht zu der Siegener Behörde durchgedrungen zu sein.
Entweder war diese tatsächlich dermaßen ahnungslos oder sie zog aus der Situation nicht die naheliegende Konsequenz eine erhöhte Wachsamkeit und Präsenz zu zeigen. Anlass dazu hätte zu alledem auch die potenzielle Bedrohung sein müssen, die die Neonazis für den am gleichen Tag in der Siegener Innenstadt stattfindenden „Israeltag“ der Initiative „Never Again“ darstellten. Der „Israeltag“ wurde in der Vergangenheit bereits Ziel massiver Attacken durch Neonazis.